Zollbrück im Ämmital gelegen, beim Zusammenfluss von Emme und Ilfis, war Durchführungsort der 133. Delegiertenversammlung des BEJV. Nach zweijähriger Corona bedingter Pause konnte nun die Delegiertenversammlung endlich wieder physisch durchgeführt werden. Bei eher kühlem aber trockenem Wetter folgten 75 Delegierte und 38 Gäste der Einladung des BEJV und trafen gegen 09.00 Uhr im Restaurant «Sternen» Neumühle in Zollbrück (Gemeinde Lauperswil) ein. Organisiert wurde die DV durch die Sektion Jagd- und Wildschutzverein Oberemmental. OK Präsident Hanspeter «Hämpu» Baumgartner organisierte die DV mit seinem OK hervorragend und mit bester Infrastruktur.

Vor dem statutarischen Teil, der eigentlichen Delegiertenversammlung, begrüsst traditionellerweise der Gemeindepräsident oder eine / ein Vertreter/in der Standortgemeinde die Delegierten und Gäste. Das war auch 2022 in Zollbrück, das zur Gemeinde Lauperswil gehört, nicht anders: Gemeinderat Walo Tschanz stellte „seine Gemeinde“ den Anwesenden mit sympathischen Worten und einigen Facts&Figures vor und schloss seine Grussbotschaft ab mit einer persönlichen Vorstellung seiner Person ab.

Jagdinspektor Niklaus Blatter informierte die Anwesenden aus erster Hand zu aktuellen Themen aus dem Jagdinspektorat, z.B. zur Änderung des Jagdverordnungsrecht, zur Jagd in Schutzgebieten und zu personellen Änderungen auf dem Jagdinspektorat.
Anschliessend orientierte der Jagdinspektor zum Jagdverlauf 2021. Dabei legte er einen Fokus auf die Gämsjagd und zog ein erstes Zwischenfazit zum neuen Modell «1 Gämse».
Betreffend Jagdstrecke können folgende Aussagen gemacht werden: Der Jagddruck hat sich reduziert, kantonsweit reduziert sich der Anteil männlicher Tiere (von 63.6% auf 59.8%), es werden deutlich weniger adulte Böcke erlegt (2021: 606, 2020: 763), kantonsweit konnte der Jungtieranteil leicht erhöht werden (von 22.9% auf 24.4%). Es gibt grosse Unterschiede zwischen Wildräumen in Geschlechterverhältnis und Jungtieranteil. Ab ca. Mai 2022 liegen der ausführliche Bericht zur Jagd 2021/22 und die genauen Abschusszahlen vor und können auf der Homepage des Jagdinspektorats eingesehen werden.
Nach den einleitenden Referaten eröffneten die Jagdhornbläser Hohgant Oberemmental, die 133. Delegiertenversammlung des BEJV mit einer sehr stimmungsvollen musikalischen Darbietung.

BEJV Präsident Lorenz Hess geht in seinem Jahresbericht auf folgende Stichworte ein und führt sie kurz aus:
Ausbildung:
Übergang zur 2-jährigen Ausbildung. Es liegt ein guter Lehrplan und ein spannendes Programm vor. Feinjustierungen sind eventuell noch nötig.
Rehkitzrettung:
vor 2 Jahren wurde der Pilotversuch beendet. Mittelfristig ist es jedoch aus finanziellen Gründen nicht möglich, weiterhin Drohnen für die Sektionen zu finanzieren von Seiten BEJV. Wenn die Sektionen Drohnenpiloten ausbilden wollen, bitte an den Verein Rehkitzrettung Schweiz bzw Bern gelangen. Der Präsident weist darauf hin, dass die Verantwortung für die Rehkitzrettung während der Heuernte bei den Landwirten liegt. Es ist deshalb angezeigt, dass der Bauernverband sich an den Kosten für die Rehkitzrettung beteilitgt. Im Mai findet diesbezüglich eine Sitzung mit dem LANAT und dem Bauernverband statt.
Baujagd:
Die Baujagd wurde durch den Grossen Rat des Kantons Bern abgeschafft. Der BEJV hat für die Grossrätinnen und -Räte ein Argumentarium zusammengestellt. BEJV Präsident Lorenz Hess führt aus, dass die Abschaffung der Baujagd ein «Redli» in der Salamitaktik der Jagdabschaffer darstellt.
Zäune:
Über Jahre hat der BEJV bei den Treffen des Regierungsrats mit den Umweltverbänden das Thema «Zäune» eingebracht. Alle Jahre verenden Wildtiere, zum Teil unter grossen Qualen, in Zäunen. Nach zwei Jahren ist es gelungen, einen Artikel zu formulieren, der nun in der Wildtierschutzverordnung aufgenommen wird.
Kommunikation:
Grundsätzlich müsste der BEJV mit den 29 Sektionen kommunizieren. Es besteht aber auch ein Bedürfnis, dass der Dachverband direkt mit der Basis, der einzelnen Jägerin, dem einzelnen Jäger kommuniziert. Es wurden bereits Investitionen in eine neue Homepage und in eine Messengerlösung getätigt.
Verordnungsänderung:
Über Weihnachten-Neujahr 2021/22 musste unter grossem Zeitdruck die Stellungnahme des BEJV formuliert werden. Alle Sektionen erhielten die Unterlagen und konnten ihre Stellungnahme abgeben. Daraus wurde als Synthese die Stellungnahme des BEJV fristgerecht eingereicht und auch allen Sektionen zugestellt.
Waldoffensive:
Im Moment läuft im Kanton Bern eine grosse orchestrierte Waldoffensive. Der BEJV kämpft vehement dagegen an, dass die Berner Jägerschaft zu «Schädlingsbekämpfer» degradiert wird. Lorenz Hess hat in der Berner Zeitung einen entsprechenden Leserbrief veröffentlicht und es wird noch ein grösserer Artikel mit differenzierten Fachinformationen für die Fachpresse (Wald und Jagd) erarbeitet.

Im Kanton Bern gab es in den letzten 10, 15 Jahren keine grösseren Einschränkungen für die Jagd, im Gegenteil: wir haben längere Jagdzeiten, längere Fahrzeiten… Es geht darum, das so aufrecht zu erhalten und vor allem intern die nötige Einigkeit zu haben, die dringend nötig ist.

BEJV Vizepräsident Bruno Sommer bedankt sich herzlich bei BEJV Lorenz Hess für seinen grossen Einsatz und insbesondere für die umfassende und gute Kommunikation mit allen Partnern. Obwohl der Ton bei diesen Diskussionen harscher geworden ist, gelingt es Lorenz Hess immer wieder, die nötigen Diskussionen führen zu können und auch angehört zu werden. Ein herzlicher Weidmannsdank für dieses grosse Engagement!

Die statutarischen Geschäfte konnten zügig behandelt und verabschiedet werden. Unter Traktandum 11 „Wahlen“ galt es den Präsidenten der Kantonalen Schiesskommission, Günter Stulz, Tägertschi und den Präsidenten der Kantonalen Hegekommission, Johnny von Grünigen, Saanen, in ihren Ämtern zu bestätigen. Die Delegierten bestätigten die beiden bisherigen Kommissionspräsidenten für weitere drei Jahre in ihrem Amt.

Neu wird im Vorstand des BEJV ein Webmaster/IT Verantwortlicher Einsitz nehmen. Die Anforderungen der Digitalisierung und einer zielgruppengerechten, modernen Kommunikation des Verbandes bis an die Basis, den einzelnen Jäger, die einzelne Jägerin, erfordern es, diese neue Charge im Vorstand einzuführen. Der Vorstand schlägt den Delegierten als Webmaster und IT Verantwortlicher BEJV Sylvio Svensson aus Aarberg vor. Die Delegierten wählen Sylvio Svensson einstimmig als neues Mitglied in den BEJV Vorstand.

Die Gäste Klaus Walpen, Vertreter von JagdSchweiz, Peter Siegenthaler, Präsident des Bernischen Wildhüter Verbandes, Andreas Knutti, der neue Kantonale Fischereiinspektor und der neue Präsident des Bernisch Kantonalen Fischereiverbandes BKFV, Markus Schneider, richteten einige Worte an die Delegierten und die Gäste.

Der gesellschaftliche Teil der Delegiertenversammlung 2022 wurde mit einem Apéro mit Begleitung durch ein Jodler Duo eingeläutet. Anschliessend wurden die Anwesenden zu einem währschaften, wunderbaren Mittagesse mit ächter Ämmitaler Ruschtig gebeten. Die Bärner Ländlers begleiteten mit ihren lüpfigen Ländlerdarbietungen den Aser. Eine tolle Tombola mit Super-Preisen rundete den Vormittagsanlass gemütlich ab. Als Highlight wurde unter allen Anwesenden Jagdberechtigten ein Gämsabschuss verlost: Als «Glücksfee» amtete Jagdinspektor Nik Blatter. Wie immer blieb genügend Zeit für den regen Austausch unter Gleichgesinnten, einen gemütlichen Schwatz und das jagdliche Fachsimpeln.

Ein grosser Weidmannsdank des BEJV geht an die Sektion Oberemmental und an den OK Präsidenten Hanspeter, «Hämpu» Baumgartner und seine gesamte Crew. Sie haben eine hervorragend organisierte DV mit bester Infrastruktur, wunderbarem Aser, einer tollen Tombola und als Krönung mit einem verlosten Gämsabschuss geboten.

Wir freuen uns bereits auf 2023, wenn der Jägerverein Laupen am Samstag, 22. April 2023 vormittags, in der Region Laupen/Mühleberg die 134. ordentliche Delegiertenversammlung des BEJV organisiert!

 

Daniela Jost, Leiterin Geschäftsstelle BEJV